Sonntag, 22. November 2009

Kolumnen im Falter Oktober 2009

Heilsex

Meine Freundin F. hat ein Rezept entdeckt, wie man die Libido wiederentdeckt. Das einzige was man dazu braucht, ist Zeit. Man nimmt also Urlaub und legt sich mit dem Partner ins Bett. Keine Bücher, keine Zeitungen, kein Radio und kein Fernseher. Aufstehen ist nur erlaubt für Toilette oder Essen. Aber dann geht’s sofort wieder ab ins Bett. „Nach etwa 30 Stunden wollte ich ihn nicht mehr erschlagen und ich begann mich für seinen Körper zu interessieren. Nach 3 Tagen hatten wir so guten Sex, dass ich den jetzt bitte wieder sehr oft wiederhaben will.“ Sie ist glücklich. Und sie will jetzt Sexberaterin werden. Ich bin mir nicht sicher, ob sich daraus ein lizenzfähiges weltumspannendes Geschäftskonzept entwickeln kann. Erstens hat kein Schwein so viel Zeit. Und zweitens weil ich das jetzt hier so banal hingeschrieben habe. Das wäre ja genauso, als würde ich die Metabolic Balance Leute um ihr Geheimnis betrügen, in dem ich rausposaune, dass die Leute weniger fressen sollen und wenn dann mehr Eiweiss und keine Kohlenhydrate oder Zucker. Würd’ ich aber eh’ nie tun, so was.

Kolumne vom 7.10.2009

Stilfrage

Eine Bekannte datet ihren neuen Liebhaber einmal in der Woche für 2 Stunden Sex. Dann geht sie wieder nach Hause und ist Ehefrau und Mutti. Im Prinzip ist sie damit total rund, aber sie ist in einer, sagen wir, technischen Bredouille. Der Ehemann nämlich ist beim Sex busenfixiert. Der Liebhaber steht auf Vagina und Hintern und nimmt sich viel Zeit zur Betreuung der beiden. Eigentlich taugt ihr diese neue allumfassende Wertschätzung ihres Körpers sehr. Aber sie ist vorsichtig, denn sie muss gerade sehr flexibel sein. Es könnte sie verraten, wenn sie auf einmal Handgriffe und Stellungen ins Liebesspiel mit ihrem Mann bringt, die ihn aus der körperlichen Vertrautheit reissen und vielleicht stutzig machen könnten. Um ihre diesbezügliche Flexibilität zu schulen, riet ich ihr zum Kauf eines Zweitautos. Das alte hat Gangschaltung, das neue Automatik. Wenn sie beide regelmässig abwechselnd in Betrieb nimmt, ist es nur mehr eine Frage des Unterbewusstseins, wie souverän sie die beiden fährt. Sie findet, das ist ein saublöder Vergleich zu diesem schwerwiegenden Problem. Mir wurscht.

Kolumne vom 14.10.2009


Nocke, amtlich

Das Kinderzimmer geht auf die Strasse hinaus. Dort verbringe ich im Moment meine Nächte. Ich möchte nicht darüber diskutieren, warum. Und während ich also beim einschlafen versuche, die nervige „Guten Abend – gut’ Nacht“ – Melodie aus meinem Kopf zu bringen, die ich 2 Stunden lang summen musste, höre ich schon wieder dieses Geeier von der Strasse. In letzter Zeit parkt ein Auto immer vor dem Fenster und hat laut türkische Schmachtfetzen im Dauerloop spielen. Den Bass spürt man körperlich bis rauf in unsere Wohnung. Ich hab’ nichts gegen ausländische Folklore, aber noch weniger gegen Schlaf. „Aayaaaaa…ntsntsnts“ Irgendwann dann hat’s mir gereicht. Ich lief hinunter, klopfte ans angelaufene Fenster und unterbrach die zwei Liebenden bei dem, was sie grade taten, ernsthaft mit dem Satz: „Geh bitte! Kauft’s euch a Wohnung!“ Hab’ ich gesagt. Genau den Satz. Jetzt bin ich depremiert. Ich, weiss, man altert. Und dass man da als fade Nocken endet, die anderen Leuten den Spass versaut, war abzusehen. Aber dass das sogar vor meinem 40er passiert, ist ein Skandal.

Kolumne vom 21.10.2009

Sexdepp

Ein Bekannter von mir hat alles falsch gemacht. Also echt alles. Wenn man das so in einem Film sieht, denkt man sich, das ist unrealistisch, so doof ist keiner. Erstens hat er seine Freundin betrogen, mit zweitens genau der Frau, auf die die Freundin eh schon seit Monaten eifersüchtig ist und ihm unterstellt, die wäre interessiert. Wofür er vordergründig nichts kann, aber sie hat ihn dann doch auf die gute Idee gebracht, dem Verdacht nachzugehen. Erfolgreich. Dann ist er also mit der im Bett und hat es nicht geniessen können, weil er den Instantmoralischen gekriegt hat. Worauf er (Achtung!) Blumen kauft und nach Hause pilgert. Ungeduscht. Da steht er nun, blumenbeschmückt und seit langem wieder mal nach Sex riechend. Was soll ich sagen. Es dauerte 2 Minuten, bis er alles gestanden hat. Jetzt sind sie in Therapie. Er wegen dem Moralischen, sie weil er so patschert ist. Naja. Klassiker halt. Ich kenne ja wen, der mir immer sagt, er verstehe das Prinzip Eifersucht sowieso nicht, man solle sich doch freuen über den tollen Sex, den der Partner bekommt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Kolumne vom 28.10.2009



Buchrezension f.den Falter
SIMON BOROWIAK
"SCHADE UM DEN SCHÖNEN SEX"

Eichborn Verlag

Der namenlose Icherzähler und sein wunderlicher Kumpel Cromwell kennen sich aus der Psychiatrie und haben dementsprechend je einen an der Waffel. Ein gemeinsamer Urlaub in Nizza dümpelt in der eher tristen und gleichzeitig saukomischen Welt der zwei Jammerlappen so dahin, bis eine bizarre Wende eintritt, als sich der unerbittliche Liebesversager Cromwell in die minderjährige Tochter der Hotelzimmernachbarn verknallt.
Es geht um Liebenkönnen, nicht mehr Liebenwollen und darum, wie man sich aufgrund früherer Unfälle in Liebesdingen ein kompliziertes Leben strickt, um nicht mehr zu straucheln. Soll heißen: Während man über diese zwei eigenartigen Typen lacht, mit denen man sich so gar nicht identifiziert, kann man sich auf eine eigentümliche Art und Weise ziemlich ertappt fühlen.
Hier ist das Schrullige treffliche Pointe. Selten war Schwermut so lustig, Losertum so spannend und dar­über hinaus auch noch poetisch. Wenn man unsensibel wäre, könnte man auf den Autor, bekannt durch seine Beiträge für das Satiremagazin Titanic, böse sein, weil er durch seine Geschlechtsumwandlung einen der wenigen Belege dafür versaut hat, dass Frauen auch lustig sein können. Aber wer Sachen schreibt, wie „… und hupte wie am Spieß“, dem verzeiht man alles. Borowiak ist der Chef, wenn’s ums Formulieren geht. Super Buch.

Rez. 18.11.2009

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